KI-Beauftragter: Pflicht oder freiwillig? Aufgaben, Qualifizierung und Kosten
Stand: 19.10.2026 · nächste Prüfung bis 04.01.2027
Kurz zusammengefasst
- Keine Pflicht:
Die KI-Verordnung (EU) 2024/1689 kennt keine Rolle „KI-Beauftragter “. Auch die Änderung durch die Verordnung (EU) 2026/1744 und das deutscheKI-MIG schreiben sie nicht vor (Stand: 19.10.2026). Pflicht ist KI-Kompetenz :Anbieter und Betreiber von KI-Systemen ergreifen Maßnahmen für dieKI-Kompetenz ihres Personals. Artikel 4 gilt seit dem 2. Februar 2025, in geänderter Fassung seit dem 27. Juli 2026.- Behörden sagen dasselbe:
Laut EU-Kommission und Bundesnetzagentur verlangt Artikel 4 keinenKI-Beauftragten . - Hochrisiko-KI: Betreiber übertragen die menschliche Aufsicht an Personen mit Kompetenz, Ausbildung und Befugnis. Diese Pflicht gilt ab dem 2. Dezember 2027 oder ab dem 2. August 2028.
- Datenschutzbeauftragter:
Er ist zum Beispiel Pflicht, wenn in der Regel mindestens 20 Personen ständig personenbezogene Daten automatisiert verarbeiten ( § 38 BDSG). - Kurse:
IHKs, TÜV-Gesellschaften und die DEKRA Akademie bieten Lehrgänge an. Die Kurse, deren Anbieterseiten wir am 19.10.2026 ausgewertet haben, kosten 2.450 bis 2.590 Euro, bei den TÜV-Kursen zuzüglich Mehrwertsteuer.
Was das Gesetz verlangt – und was nicht
Zwei Stellen sagen das ausdrücklich:
- Die
EU-Kommission beantwortet in ihren FAQ zur KI-Kompetenz die Frage, ob ein „AI Officer“ wie im Datenschutz nötig ist. Ihre Antwort: Nein, für Artikel 4 ist keine bestimmte Governance-Struktur vorgeschrieben. - Die Bundesnetzagentur
listet auf, was für Artikel 4 nicht vorgeschrieben ist. Dazu zählt sie „die Einführung eines KI-Beauftragten “.
| Wer | Pflicht | Vorschrift | Gilt ab |
|---|---|---|---|
| Jedes Unternehmen, das KI beruflich nutzt (Betreiber) | 2. Februar 2025, geänderte Fassung seit 27. Juli 2026 | ||
| Jedes Unternehmen | 2. Februar 2025 | ||
| Betreiber, deren KI Deepfakes erzeugt oder Texte zu Themen von öffentlichem Interesse veröffentlicht | Offenlegen, dass die Inhalte künstlich erzeugt sind; für Texte gilt eine Ausnahme bei Prüfung und redaktioneller Verantwortung | 2. August 2026 | |
| Menschliche Aufsicht durch Personen mit Kompetenz, Ausbildung und Befugnis; vor dem Einsatz am Arbeitsplatz Arbeitnehmervertretung und Beschäftigte informieren | 2. Dezember 2027 oder 2. August 2028, je nach Art des Systems | ||
| Qualitätsmanagementsystem, das die Verantwortung von Leitung und Personal regelt | 2. Dezember 2027 oder 2. August 2028, je nach Art des Systems |
Die Pflichten treffen immer das Unternehmen als Anbieter oder Betreiber. Wie Sie die Aufgaben intern verteilen, entscheiden Sie selbst. Artikel 26 Absatz 3 betont für die menschliche Aufsicht sogar die Freiheit der Betreiber, ihre eigenen Ressourcen zu organisieren.
Ob ein System hochriskant ist, prüfen Sie im Einzelfall. Ein Beispiel aus Anhang III ist KI, die Bewerbungen sichtet oder filtert (Nummer 4).
Der Unterschied zum Datenschutzbeauftragten
Beim Datenschutz regelt das Gesetz die Rolle selbst. Nach Artikel 37 Absatz 1 DSGVO brauchen Sie einen Datenschutzbeauftragten, wenn:
- eine Behörde oder öffentliche Stelle die Daten verarbeitet,
- Ihre Kerntätigkeit eine umfangreiche, regelmäßige und systematische Überwachung von Personen erfordert, oder
- Ihre Kerntätigkeit die umfangreiche Verarbeitung besonderer Daten ist, etwa Gesundheitsdaten oder Daten über Straftaten.
| Merkmal | Datenschutzbeauftragter | ||
|---|---|---|---|
| Rechtsgrundlage | keine | keine | |
| Pflicht | in festen Fällen | nein | nein |
| Schwerpunkt | zum Datenschutz unterrichten, beraten und die Einhaltung überwachen | ||
| Stellung | weisungsfrei bei seinen Aufgaben, berichtet an die höchste Managementebene | legt Ihr Unternehmen fest | legt Ihr Unternehmen fest |
| Intern oder extern | beides möglich | beides möglich |
Welche Aufgaben ein KI-Beauftragter übernehmen kann
Welche Tools nutzt Ihr Team, wofür und mit welchen Daten? Ist Ihr Unternehmen Anbieter oder Betreiber?KI-Register führen: Welche Tools sind freigegeben? Welche Daten dürfen hinein? Wer prüft die Ergebnisse? Mehr dazu im RatgeberKI-Richtlinie schreiben und pflegen: .KI-Richtlinie für Unternehmen Schulungen, Einweisungen und Leitfäden planen und festhalten. Die Bundesnetzagentur empfiehlt, diese Maßnahmen gut zu dokumentieren. Details stehen im Ratgeber KI-Schulungspflicht nach dem AI Act.KI-Kompetenz organisieren:- Neue Anwendungen prüfen:
Die KI-Kennzeichnungspflicht. Datenschutzfragen klären Sie mit dem Datenschutzbeauftragten.EU-Kommission beschreibt vier Risikostufen: unannehmbares Risiko, hohes Risiko, Transparenzrisiko und minimales oder kein Risiko. Verbotene Praktiken stehen in Artikel 5. Für Transparenz gelten Pflichten nach Artikel 50, siehe - Ansprechpartner sein:
für Beschäftigte, Betriebsrat, Anbieter und Behörden. In Deutschland ist meist die Bundesnetzagentur die Aufsichtsbehörde ( § 2 Absatz 1KI-MIG ). Für einige Bereiche sind andere Behörden zuständig. - Änderungen verfolgen:
Gesetz, Leitlinien und Tools ändern sich. Die KI-Verordnung wurde im Juli 2026 bereits geändert.
Intern oder extern? Eine Entscheidungshilfe
Die Tabelle ist eine Orientierung, keine gesetzliche Vorgabe. Entscheidend sind die Zahl der Tools, die Risiken und das Wissen im eigenen Haus.
| Beschäftigte | Typische Lage | Passende Lösung |
|---|---|---|
| bis 9 | wenige Standard-Tools, etwa Textassistenten | Geschäftsführung oder eine Person im Team übernimmt die Aufgaben; kurze Richtlinie und Einweisung; bei Bedarf einmalige externe Hilfe |
| 10 bis 49 | mehrere Tools in verschiedenen Bereichen | interne Ansprechperson mit festem Zeitbudget; externe Hilfe für Register, Richtlinie und Schulung zum Start |
| 50 bis 249 | interne Rolle mit Weiterbildung; Abstimmung mit Datenschutz, IT und Betriebsrat; externe Prüfung bei Bedarf | |
| ab 250 | viele Anwendungen, oft eigene Entwicklung |
Externe Hilfe lohnt sich oft unabhängig von der Größe, wenn:
Ihr Unternehmen ein KI-System anbietet, es also entwickelt und unter eigenem Namen vertreibt oder selbst in Betrieb nimmt,- ein System hochriskant sein kann, zum Beispiel in der Personalauswahl,
- im Haus niemand Zeit oder Fachwissen für die Rolle hat.
Darf der Datenschutzbeauftragte KI-Beauftragter sein?
Prüfen Sie vor der Benennung diese Punkte:
- Kontrolle eigener Entscheidungen:
Ein KI-Beauftragter gibt oft Tools frei oder legt Regeln fest. Als Datenschutzbeauftragter müsste dieselbe Person diese Entscheidung später überwachen. Hier kann ein Interessenkonflikt entstehen. - Weisungsfreiheit:
Bei seinen Datenschutzaufgaben erhält der Datenschutzbeauftragte keine Anweisungen (Artikel 38 Absatz 3). Für die Aufgaben als KI-Beauftragter gilt das nicht von selbst. Trennen Sie die beiden Rollen deshalb klar. - Zeit: Beide Rollen brauchen Zeit. Planen Sie das Budget getrennt.
- Externer Datenschutzbeauftragter:
Prüfen Sie, ob sein Vertrag die KI-Aufgaben abdeckt.
Eine mögliche Lösung: Der Datenschutzbeauftragte berät zu KI, entscheidet aber nicht über den Einsatz. Die Entscheidung trifft die Geschäftsführung oder eine andere Person. Halten Sie Ihre Prüfung des Interessenkonflikts schriftlich fest.
Qualifizierung: Kurse von IHK, TÜV und DEKRA
| Anbieter | Kurs | Umfang | Format | Preis | Abschluss |
|---|---|---|---|---|---|
| IHK Bodensee-Oberschwaben | 65 Unterrichtseinheiten (ca. 53 live, ca. 12 Selbstlernen), verteilt auf rund drei Monate | Live-Online, meist abends | 2.590 Euro | ||
| TÜV Rheinland Akademie | 24 Unterrichtseinheiten | Präsenz oder Virtual Classroom | ab 2.555 Euro netto | Personenzertifikat von PersCert TÜV nach Prüfung, 3 Jahre gültig | |
| TÜV Thüringen Akademie | 24 Seminarstunden an 3 Tagen | Live-Webinar | 2.450 Euro netto, davon 130 Euro Prüfung | Personenzertifikat nach schriftlicher Prüfung | |
| DEKRA Akademie | 272 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten, rund 6 Wochen in Vollzeit | Live-Online | auf der Seite nicht genannt | Personenzertifikat der DEKRA Certification GmbH nach 90-minütiger Online-Prüfung mit 60 Multiple-Choice-Fragen, 3 Jahre gültig |
Was Sie dazu wissen sollten:
- IHK:
Den Lehrgang „Betrieblicher KI-Beauftragter (IHK)“ bieten mehrere IHKs an. Preise und Termine können sich unterscheiden. - TÜV: Kurse mit „TÜV“ im Namen kommen von verschiedenen Gesellschaften. Inhalte, Voraussetzungen und Prüfungen unterscheiden sich. TÜV Thüringen verlangt zum Beispiel eine Berufsausbildung, zwei Jahre Berufserfahrung und KI-Grundkenntnisse.
- DEKRA: Der Lehrgang ist deutlich länger. Er enthält auch Grundlagen zu digitalem Lernen, KI, Datenmanagement und Datenschutz. Als Zielgruppe nennt die Seite unter anderem Beschäftigte, Berufsrückkehrende und Arbeitsuchende.
- Zertifikat: Es zeigt Wissen, ist aber keine gesetzliche Voraussetzung. Seien Sie vorsichtig bei Angeboten, die ein Pflichtzertifikat versprechen.
Ihr Team braucht meist keinen Lehrgang dieser Länge. Für Mitarbeitende passen oft kürzere Formate. Eine Übersicht bietet die Seite
Was kostet ein externer KI-Beauftragter ?
- Zahl der Tools und Nutzer: Mehr Anwendungen bedeuten mehr Register-, Prüf- und Schulungsarbeit.
- Rolle: Als Anbieter haben Sie mehr Pflichten als als Betreiber.
- Risiko: Hochrisiko-Anwendungen brauchen mehr Prüfung und Dokumentation.
- Aufbau oder Betreuung: Register und Richtlinie zu Beginn sind ein Projekt. Die laufende Betreuung ist eine Dauerleistung.
- Schulungen: Prüfen Sie, ob Schulungen im Preis enthalten sind.
- Erreichbarkeit: Feste Sprechzeiten und Vor-Ort-Termine kosten mehr als Termine nach Bedarf.
- Kombination mit Datenschutz: Übernimmt dieselbe Firma auch den Datenschutz, klären Sie die Abgrenzung im Vertrag.
Fragen Sie, ob der Anbieter pauschal pro Monat oder nach Aufwand abrechnet. Lassen Sie sich Leistungen, Stunden und Laufzeit schriftlich nennen. Mehr zu Angeboten und Kostentreibern steht im Ratgeber
Zur Förderung: Die
Häufige Fragen zum KI-Beauftragten
Ist ein KI-Beauftragter Pflicht?
Für wen gilt die KI-Verordnung ?
Kann der Datenschutzbeauftragte auch KI-Beauftragter sein?
Was ist der Unterschied zwischen KI-Beauftragtem und KI-Manager ?
Welche Schulung braucht ein KI-Beauftragter ?
Wie viel kostet eine Schulung zum KI-Beauftragten ?
Was kostet ein externer KI-Beauftragter ?
Dafür gibt es keine Preisliste und keine Gebührenordnung. Der Preis hängt vor allem von der Zahl der Tools, vom Risiko der Anwendungen und vom Umfang der Betreuung ab. Fragen Sie nach einem schriftlichen Angebot mit Leistungen, Stunden und Abrechnungsart.
Welche Risikostufen kennt der AI Act?
Hinweis: Dieser Ratgeber beschreibt den Rechtsstand vom 19.10.2026. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Kursdaten und Preise stammen von den Seiten der Anbieter, Stand 19.10.2026. Wir prüfen den Ratgeber spätestens am 04.01.2027 erneut.
Quellen
Alle Quellen haben wir am angegebenen Tag aufgerufen.
-
Verordnung (EU) 2024/1689 ( KI-Verordnung ),Art. 2 Abs. 1 ,Art. 3 Nr. 3 und 4,Art. 5 ,Art. 17 Abs. 1 Buchst. m,Art. 26 Abs. 2 , 3 und 7,Art. 50 Abs. 4 ,Art. 113 , Anhang IIINr. 4 –EUR-Lex , ABl. L, 2024/1689, 12.7.2024 -
Verordnung (EU) 2026/1744 vom 8. Juli 2026 (Digital-Omnibus-Verordnung zur KI), Art. 1 Nr. 5 (neuerArt. 4 ),Nr. 40 (Art. 113 Abs. 3 ),Art. 4 (Inkrafttreten) –EUR-Lex , ABl. L, 2026/1744, 24.7.2026 - Europäische Kommission: AI Literacy – Questions & Answers, Frage „Is an AI officer necessary similarly as for the GDPR?“ (Stand laut Seite 27.07.2026)
- Europäische Kommission: AI Act – Regulatory framework on AI (vier Risikostufen)
-
Bundesnetzagentur: KI-Kompetenz (Themenseite, Abschnitt „Nicht vorgeschrieben für die Compliance mitArt. 4 “) -
Gesetz zur Marktüberwachung und Innovationsförderung von künstlicher Intelligenz ( KI-MIG ) vom 22. Juli 2026, BGBl. 2026 INr. 223 ,§ 2 Abs. 1 -
Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 9 Abs. 1 ,Art. 10 ,Art. 37 Abs. 1 und 6,Art. 38 Abs. 3 und 6,Art. 39 Abs. 1 –EUR-Lex -
§ 38 BDSG – Datenschutzbeauftragte nichtöffentlicher Stellen -
IHK Rhein-Neckar: KI-Zertifikate (IHK) im Überblick – Strategie, Data Science und Compliance -
IHK Bodensee-Oberschwaben: Betrieblicher KI-Beauftragter (IHK), Veranstaltungsdetails ZO615.27.8 (Umfang, Termine, Preis) -
TÜV Rheinland Akademie: KI-Beauftragter (TÜV), Seminar 31357 -
TÜV Thüringen Akademie: KI-Beauftragter (TÜV) – Künstliche Intelligenz gemäßEU-AI Act sicher einsetzen, DIDI040 -
DEKRA Akademie: KI-Beauftragter (AI Officer) – EU AI Act Schulung zur Zertifizierung -
BAFA: Förderrichtlinie Unternehmensberatungen für KMU vom 14.12.2022 in der Fassung vom 12.12.2024, Nr. 2 .2, 4.1.1, 5.2 und 8